2017-05-30
ავტორი : David Khoschtaria
Deutsche Hotels in Alt-Tiflis

Die Geschichte der Hotels von Tiflis ist eine der Brücken, die die georgische Geschichte mit der europäischen verbindet. Die Neuzeit hat Hotels als ein wirtschaftliches, soziales und architektonisches Phänomen gebracht, entsprechend waren sie eine Mikrowelt vieler Neuheiten, die in der Luft schwebten. Hotels sind ein Treffpunkt lokaler und auswärtiger Gesellschaften, ein Raum, der einerseits die Unterschiede zwischen den Insassen und den Auswärtigen – also zwischen „mir“ und „anderen“ - zeigt und andererseits, zu ihrer Annäherung beiträgt.

Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts waren sowohl georgische Geschäftsleute als auch die Vertreter verschiedener ethnischer Gruppen im Hotelgeschäft eingebunden. Interessanterweise wurden die ersten Hotels in Tiflis von Europäern, darunter auch von Deutschen, eröffnet. Deutscher Herkunft sind die Hotels Mader, Wetzel, London und andere.


Hotel „Salzmann“

Das Hotel befand sich im Rikhe-Viertel auf der linken Uferseite, an der Stelle wo einige deutsche Siedler ihre Wohnhäuser errichtet hatten. Theodor (Friedrich) Salzmann hatte das Haus selbst erbaut und später als Hotel eingerichtet.

Theodor Salzmann war vom Beruf Drechsler, der 1819 aus Württemberg umgesiedelt war. Anfangs gründete er eine Bierbrauerei und begann als erster deutscher Siedler Bier zu produzieren. Danach eröffnete er eine Bierstube, wo er die Gäste mit eigener Produktion bewirtete. Theodor Salzmann eröffnete das Hotel zum erst 1830. Er musste es aber bald wieder schließen, weil sich das Hotel nicht rentierte.

1833 wird das Hotel zum zweiten Mal eröffnet und hat offenbar mehr Erfolg. Die nächsten zehn bis zwölf Jahre zählte das Hotel „Salzmann“ als beste Adresse der Stadt. Da logierten die meisten europäischen Reisenden, die nach Tbilissi kamen. Zahlreiche Gäste erwähnen das Hotel in ihren Schriften, darunter François Dubois de Montpéreux (1798-1850), Karl Heinrich Koch (1809-1879), Baron August von Haxthausen (1792-1866), Ida Laura Pfeiffer 1797-1858), Friedrich von Bodenstedt (1819-1892), General Sir Richard Wilbraham (1811-1900) und Moritz Wagner (1813-1887).

Über das Hotel „Salzmann“ wurde in den Jahren 1834-1845 oft berichtet. Danach hielten sich in diesem Hotel weniger europäische Reisende auf. Aber immerhin hat es bis 1860 bestanden.

Das Gebäude des „Salzmann“ Hotel ist nicht erhalten. Nach Berichten der Reisenden war es ein kleines Haus mit einem asymmetrischen, sehr steilen Dach und einer niedrigen Eingangstür. Auf der ersten Etage befand sich auf einer Seite ein Billard-Raum und auf der anderen ein Gemeinschaftsraum mit blauen Wänden. Im gleichen Haus wohnte auch Theodor Salzmann mit seiner Frau und den sechs Kindern. Die Gästezimmer befanden sich in der zweiten Etage.


Hotel “Wetzel“


Wetzel - Unter den deutschen Siedlern, die Anfang des XIX. Jahrhunderts aus Württemberg nach Georgien kamen, war auch Kaspar Wetzel. Er hatte zwei Söhne: Jakob Friedrich und Johann Kaspar.

Die Nachfahren von Wetzel waren in der 2. Hälfte des XIX. Jahrhunderts sehr wohlhabend, was die Anzahl der von ihnen erbauten Gebäude in Tbilissi bestätigt. Im Georgischen Historischen Archiv sind Dutzende von Projekten der Nachfahren von Kaspar Wetzel aufbewahrt, die nur zum Teil realisiert wurden. Einige von den von Wetzels in Auftrag gegebene Gebäuden stehen bis heute, ein Teil wurde zerstört, ein Teil der Projekte scheint nie realisiert worden zu sein.

Der erfolgreichste unter den Wetzels war Jakob Friedrich (1835-1904). Sein Kapital wuchs schnell und wurde dauernd weiter angelegt. Er besaß eine Bierbrauerei, ein Hotel, einige Häuser in Tbilissi, Kojori und Tsavkisi. Friedrich Wetzel war Kaufmann der Zweiten Tiflisser Gilde und eine Weile Mitglied des Stadtrats. Ein Teil der Z. Tschavtschawadze Strasse trug kurz sogar seinen Namen.


Friedrich Wetzel war mit Wilhelmina Frick (1847-1823) aus Elisabetthal (heutzutage Asureti), auch einem Nachkommen deutscher Siedler verheiratet. Sie hatten 4 Kinder: Gottlob, Gustav, Luisa und Emilia-Margarete. Wetzel versuchte, seinen Kindern gute Bildung zu ermöglichen, damit sie in der Zukunft seine Geschäfte weiterführen konnten. So sandte er seine beiden Söhne nach Deutschland, um dort Technik und Industrie zu studieren, obwohl Gottlob Maler werden wollte. Wetzel kümmerte sich genauso um die Ausbildung der Töchter. Luise und Emilia-Margarete sprachen fließend Französisch und Englisch. Emilia-Margarete war Musiklehrerin der berühmten österreichischen Schriftstellerin Bertha von Suttner.

Anfang der 1870-er Jahre baute Friedrich Wetzel mit seinem Bruder Johann Kaspar zusammen eine Bierbrauerei in der Großfürsten Straße (Великокняжеская улица, jetzt Uznadze Strasse). Die Brauerei produzierte mehrere Biersorten – Wiener, Pilsen, Export und Münchener. Das Wetzel-Bier wurde 1901 auf der Jubiläumsausstellung der kaukasischen Landwirtschaft und Industrie in Tiflis mit der Goldmedaille ausgezeichnet. Wetzels besaßen außerdem ein Bierrestaurant in der Nähe des Sägewerks von Reis.

Ihnen gehörten mehrere Wohnhäuser, Handels- und Industrieobjekte. Ihre Immobilien waren hauptsächlich in der Tifliser Kolonie und Alexandersdorf konzentriert.

Das „Wetzel“ galt Anfang des 20. Jahrhunderts als bestes Hotel auf der linken Uferseite in Tbilissi. Das Gebäude wurde in den Jahren 1897-1900 an der Ecke des Michailowprospektes (heute D. Agmaschenebeliprospekt 103) und der Ksenijastraße (heute Z. Tschawtschawadsestrasse) errichtet. Das Hotel wurde von dem deutschen Architekten Leopold Bielfeld entworfen und vom Kaufmann der Zweiten Tiflisser Gilde Friedrich Wetzel in Auftrag gegeben. Das dreistöckige Gebäude mit Mansarde ist reichlich mit Barockelementen verziert. Dem Plan nach hat das Gebäude eine U-Form, mit dem mittleren Teil auf der Seite des Prospekts, dem rechten Flügel zur Ksenjastrasse hin und dem linken Flügel in das Viertel hineinreichend.



Friedrich Wetzel war gleichzeitig Inhaber des Gebäudes und des Hotels. Er hatte es mit all dem Komfort ausgestattet, den es damals gab. Die Zimmer hatten eine Warmwasserheizung und Elektrizität. Das Hotel war mit einen Lift, einem Billard-Raum, einer Kegelbahn und zwei Restaurants ausgestattet. Eines war in der Kelleretage untergebracht und mit Malereien „im deutschen Stil“ dekoriert. Später erhielt das Restaurant den Namen „Germania“. Was das Hotel auszeichnete und von den anderen unterschied, war ein Theater im linken Flügel. Dort wurden Vorstellungen verschiedener Theatertruppen aber auch Hochzeits- und andere Feierlichkeiten durchgeführt. Das Hotel besaß auch einen Garten, in dem 1901 das Orchester des Operntheaters Konzerte veranstaltete.


1900 wurden dem Hotel nach einem Projekt desselben Architekten, L. Bielfeld, von Seiten der Ksenjastraße zwei niedrige Flügel angebaut. Der eine war für das Dienstpersonal vorgesehen und der andere für die Automobile.

1911 wurde das Hotel von einem ehemaligen Mitarbeiter F. Wetzels, damals schon einem erfolgreichen Unternehmer, nämlich Noe Sicharulidse angekauft. Dieser hat das Gebäude gründlich saniert und ausgebaut. Die beiden Flügel auf der Ksenjastraße wurden entfernt und dadurch der rechte Flügel verlängert. An der Seite des Prospekts wurde dem Hotel eine große Veranda angebaut. In der ersten und zweiten Etage wurden zwei dekorative Nischen eingebaut und der Haupteingang mit einer Hermesskulptur mit Helm versehen.


1915 benannte der neue Besitzer das Hotel nach seinem Namen -„Noe“. 1928 erhielt das Hotel den Namen „Europa“. Kurz danach wurde es geschlossen und erst nach dem Zweiten Weltkrieg unter den Namen „Rustawi“ neu eröffnet. 1970 ist das Hotel wieder geschlossen worden und diente seitdem verschiedenen staatlichen Einrichtungen. Zurzeit steht das Gebäude leer und ist in einem verheerenden Zustand.






Hotel „Mader“


Das von Luisa Mader um die Jahrhundertwende des 19. und 20. Jahrhunderts eröffnete Hotel „Mader“ hatte in Tbilissi ein hohes Ansehen. Luisa Mader war die Nachkommin einer der ältesten und angesehensten deutschen Familien. Ihre Vorfahren waren mit der ersten Generation der deutschen Siedler nach Georgien gekommen. Um 1900 besaß Luisa Mader auch eine Bierbrauerei in Tbilissi.


Das Hotel „Mader“ wurde 1890 in der Michailowstraße (dem heutigen Agmaschenebeliprospekt) Nr. 114 eröffnet. Damals war das Hotel ein zweistöckiges Gebäude mit Metallbalkons an der Fassade und einem hohen Dachboden. Im Laufe der 90er Jahre wurde es gründlich umgebaut und eine dritte Etage hinzugefügt. Das Gebäude wurde im Neorenaissancestil umgebaut. Kurz danach zog das Hotel in ein zweistöckiges Gebäude im Innenhof des gleichen Hauses um (heute Agmaschenebeliprospekt Nr. 114a). Beide Gebäude existieren heute noch.


1910 zog das Hotel „Mader“ in das Prschibili Haus der Kirchenstraße (heute Marjanischwili) Nr. 20 um. Das Hotel wurde zu der Zeit von einem gewissen Tsereteli geführt. Besonders beliebt war das Restaurant „Mader“, das 1918 Eigentum des Ersten Tbilisser Arbeitergenossenschaft wurde.


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