2017-09-26
ავტორი : Olesya Dimitrichenko
"Walpurgisnacht " in Elisabethtal

"Die Würde des Menschen ist unantastbar”, sagt die Inschrift des Denkmals, das 1997 in einem Stadtteil von Düsseldorf errichtet wurde. Dort hat 1738 unter Anschuldigung in der Hexerei und der Zauberei die letzte Hinrichtung durch Verbrennung der 15-jährigen Helene Curtens und der Mutter von sieben Kindern Agnes Olmanns stattgefunden. Für moderne Menschen ist solche Anschuldigung absurd, sie war aber ab dem XV. Jahrhundert für europäische Gesellschaften und Deutschland eine gewöhnliche Angelegenheit, denn der größte Teil der Bevölkerung war abergläubisch und glaubte an Hexerei, Zauberei, Magie und Wahrsagerei.

Bei der Forschung des Lebens der deutschen Siedler weiß man nie, worauf man in den Archiven und neuen Fonds stoßen wird. Genauso geschah es mir, als ich eine lange Beschreibung eines Archivfonds in der Hand hielt und die lange Liste las, aus der ein einziges Wort mir ins Auge stach: Hexerei. . . Hexerei in den Siedlungen? Dieses Wort ruft immer eine Assoziation mit Märchen hervor. Diesmal war es aber kein Märchen.

Es muss erwähnt werden, dass das Hexerei-Thema für mich nicht ganz neu war: In meiner Kindheit hörte ich, dass am Rande von einer der deutschen Siedlungen eine Frau mittleren Alters gelebt haben soll, über die die Siedler ihre Zweifel hatten und wissen wollten, was in ihrem Haus vor sich ging und besuchten sie oft. Dort wiederholte sich jedoch stets das selbe: “Die Hexe” sagte den Besucherinnen, das Haus fülle sich mit Wasser, sobald Gäste zu ihr kommen. Genau das geschah: Die Überlieferung besagt, dass das Zimmer sich von allen Seiten mit Wasser füllte und die Röcke der wegrennenden Frauen feucht waren.


Hexerei-Szene, David Teniers (1610-1690), Historisches Museum Berlin

Diese aber dokumentarisch belegte Geschichte spielte sich in der Siedlung Elisabetthal (Tetritskaro Munizipalität, Dorf Asureti) ab, wo Pastor Jakob Bertoldy die Familie Baumeister – die Ehefrau und Mutter - der Hexerei beschuldigte.

1858 verbreitete sich eine Angstwelle in Elisabetthal. Das ganze Geschehen ist in den Aufzeichnungen vom Siedlungspastor Anton Camillo Bertoldy erhalten, der 1854-1861 in Elisabetthal arbeitete.


Die ganze schreckliche und geheimnisvolle Geschichte war wie folgt:

Im März 1857 klaute man der Familie Baumeister das Baumaterial. Die Familie und ihre Nachbarn verdächtigten darin ihre Dorfmitbewohner. Um die Schuldigen zu identifizieren, taten sie folgendes: Eines Nachts besuchte Herr Baumeister zuerst Michael Figel, danach Michael Fritz, die das Geheimnis durch Wahrsagerei hätten aufdecken sollen.

Das Ritual sah folgendermaßen aus: Jemand stellte eine Frage und drehte dabei einen Schlüssel in der Hand und je nach dem, in welcher Richtung der Schlüssel stehen blieb, bekam man die Antwort auf die Frage. Der weise Schlüssel deutete auf Roganes Krohmer. Die nächste Frage betraf die Hexerei und der Schlüssel zeigte auf eine Reihe von Menschen. Nach der Meinung der Wahrsager war die alte Frederica Baumeister in der Hexerei die Nummer eins, sie saß in der Ecke und kicherte die ganze Zeit, als ob sie mit einem Spielzeug spielte. Als zweites zeigte der Schlüssel auf ihre Schwiegertochter Margarita. Nach ihnen kamen die Witwe von Michael Figel namens Bauder und der Pastor Anton Camillo Bertoldy selbst. Die Nachricht über die geheime Wahrsagung verbreitete sich schnell und sorgte für große Aufregung.

„Die in Hexerei beschuldigte“ Friderica Baumeister war gezwungen, sich selbst zu verteidigen und andere anzuschuldigen, darunter auch den Pastor Bertoldy selbst, den sie „Hexenmeister“ nannte. Die aufgeregten Siedler verlangten die Bestrafung von Friderica, andernfalls drohten sie mit entsprechenden Strafmaßnahmen ihrerseits.

Der Pastor war gezwungen das Kirchenkonvent um Hilfe bei der Durchführung einer gründlichen Untersuchung zu bitten, damit in der Gemeinschaft wieder Ruhe herrschte.


Georgisches Nationalarchiv, Bestand 226, Eintrag 1, Akte 145

Die Investigation entschied diesmal ohne Feuer und Schwert:

“Die Hexen” bekamen Geldstrafen in unterschiedlicher Größenordnung:

Friderica Bauermeister – 20 Rubel

Margarita Bauermeister – 10 Rubel

Michael Figel – 15 Rubel

Die Ehefrau von Michael Figel – 2 Rubel

Die Witwe Bauder – 1 Rubel

Gemäß den Archivdokumenten legte man ihnen außerdem auf, sich vor der Gemeinschaft öffentlich zu entschuldigen und in der Zukunft mit der “Hexerei” aufzuhören.

Was danach passierte und ob die Angeschuldigten mit der “Hexerei” aufhörten ist nicht bekannt. Diese kleine, seltsame und tragikomische Geschichte der “Hexen” aus Elisabetthal ist für den modernen Leser einfach eine interessante Lektüre und zeigt nochmal, dass eine der Geschehnisse vom Mittelalter ähnliche Geschichte vor 150 Jahren hier ein Normalfall war. In Deutschland aber wurde das Echo ähnlicher Ereignisse ein Volksfest namens Walpurgisnacht, das den Namen des Heiligen Walpurg trägt und jedes Jahr in der Nacht vor dem 1. Mai gefeiert wird, an einem Tag, an dem nach deutschem Aberglauben die Hexen und Zauberer ihr Festmahl auf dem höchsten Gipfel des Harzgebirges Broken halten.

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