2018-08-12
ავტორი : Anna Margwelaschwili
Deutsche Kriegsgefangenen und Georgien


Am Ende des zweite Weltkriegs befanden sich in der Sowjetunion und darunter auch in Georgien mehrere Tausende deutsche Kriegsgefangene. Die Kriegsgefangenenlager waren über das ganze Land verteilt. Die Arbeit der Kriegsgefangenen nutzte die sowjetische Macht hauptsächlich für die Baumaßnahmen. In Tbilisi und anderen Städten Georgiens, darunter in Rustawi und Tschiatura haben die Kriegsgefangene zahlreiche Gebäude errichtet. Ein Teil der Kriegsgefangenen starb in diesen Lagern an Krankheiten, Hunger und unerträglichen Bedingungen. Ein Teil wurde befreit und konnte in die Heimat zurückkehren.


In Deutschland ist die Erinnerungs - und Überlieferungskultur in den Familien sehr hoch entwickelt. Demensprechend ist es nicht verwunderlich, dass nicht wenige ehemalige Kriegsgefangene ihre Memoiren schreiben, in denen sie ziemlich ausschlussreich und interessant von ihrer Zeit in der Kriegsgefangenschaft, von den Lebensbedingungen, ihren Beobachtungen, Empfindungen und Erfahrungen berichten.

Die Erzählungen eines jeden einzelnen gibt oft die Erfahrung vieler wieder - der Menschen, die den Lagern entkommen konnten, selbst aber ihre eigene Geschichte nie erzählten. Oder derjenigen, die im Lager gestorben sind, da sie die schwierigen Bedingungen nicht ertragen konnten und niemals in die Heimat zurückkehrten.

Neben diesen Erinnerungen (deren Teil selbstverständlich in Deutschland veröffentlicht wird) sind mündliche Geschichten in mehreren Dokumentarfilmen erhalten. So, zum Beispiel, im Film von David Kakabadze „Gefangen im Kaukasus“https://www.youtube.com/watch?v=YtGKEdld93Y (in deutscher Sprache).

Frau Irma Tepnadze hat Soviet Past Research Laboratory über das georgisch-deutsche Erinnerungsarchiv angesprochen und die Memoiren von zwei ehemaligen deutschen Kriegsgefangenen Hans Lohse und Oskar Heil überreicht (in deutscher Sprache), die sie ihrerseits von Hans Lohses Tochter vor einigen Jahren in Deutschland bekommen hatte.

Hans Lohse wurde am 29. März 1911 in einer Bauernfamilie geboren. Er war dabei, das Familienbetrieb zu übernehmen, als sein Lehrer seine besonderen Begabungen bemerkte und ihm half, sich für das Abitur vorzubereiten (1931). Danach studierte Hans Lohse die Theologie in Tübingen, Erlangen und Kiel. Seine erste Theologieprüfung legte er 1935 ab, die zweite 1937 und hat die Arbeit als Pastor der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Mecklenburg aufgenommen. 1938 heiratete er Rosemarie Hennenberg aus Hamburg. 1939 bekamen sie die erste Tochter. 1940 war der Pastor schon Soldat geworden. Im Januar 1941 kam sein Sohn zur Welt.




Hans Lohse wurde am 28. Juni 1944 in der Stadt Mogilev am Dnepr gefangengenommen. 1944-1946 war er im Kriegsgefangenenlager in Rustawi, 1946-1949 in Tschiatura. 1950-1976 diente er als Pastor in drei verschiedenen evangelisch-lutherischen Gemeinden in Deutschland. 1953 bekam er das dritte Kind Beate (sie hat dem Archiv die Erinnerungen ihres Vaters überreicht). Hans Lohse benutzte verschiedene Mittel für die Kontaktaufnahme mit Menschen, darunter die Musik. Während seines Aufenthalts in Tschiatura leitete er den Kriegsgefangenenchor. 1955 gründete er einen Blaseninstrument Orchester in Deutschland. Bis zu seinem Tode in 2004 blieb die Musik seine Lieblingsbeschäftigung.




In Tschiatura arbeitete er bei einem russischen Geodäten, der ursprünglich aus der Republik Tatarstan war. Lohse und seine Familie waren diesem Mann für seine Unterstützung sehr dankbar: er hatte ihn oft eingeladen, mit ihm das Essen und das Trinken geteilt. Ohne hätte Hans Lohse die schwierigen Jahre in der Kriegsgefangenschaft nicht überstehen können. 1979 reiste Hans Lohse mit seiner Ehefrau in den Kaukasus, darunter nach Georgien, Tchiatura war aber damals eine geschlossene Stadt und so konnte er sie nicht besuchen, worüber er sehr traurig gewesen sein soll.Er kam bis nach Zestaponi, um seiner Ehefrau den Fluss Kvirila und die umliegenden imeretinischen Berge zu zeigen – sie sähen den Bergen von Tschiatura ähnlich aus. Seine Motivation für die Reise war folgende:

  • Er wollte in die Vergangenheit zurückkehren und sich an die Freunde erinnern, die damals zusammen mit ihm hungerten und hinter dem Stacheldrahtzaun litten.
  • Er wollte sich bei dem Volk bedanken, die sogar den Kriegsgefangenen gegenüber gastfreundlich gewesen sind.
  • Er wollte seiner Ehefrau zeigen, wo er über 6 Jahre seines Lebens verbracht hatte.

Der Text besteht aus 34 Druckseiten und umfasst die Beschreibung dieser Reise sowie die Erinnerungen an die Jahre in der Kriegsgefangenschaft. Die Memoiren sind an deutsche Leser gerichtet. Außer den Erlebnissen im Kriegsgefangenenlager beinhalten sie die Beschreibung Georgiens, seiner Natur und seiner Geschichte. Ich denke, das Buch könnte auch für den georgischen Leser interessant sein.




Der andere ehemalige Kriegsgefangene Oskar Heil ist leider schon verstorben, wir haben über ihn keine Auskunft. Seine Erinnerungen mit dem Namen „Wo die Schakale schreien“ hat uns über seine Tochter erreicht. Der Text besteht aus 223 Druckseiten und beschreibt detailliert die Geschichte seines Gefangennehmens und die Verhältnisse in verschiedenen Lagern Russlands und Georgiens: Hunger, Kälte, Erschöpfung, Krankheit, schwere Arbeit und Verzweiflung.

Im Unterschien von Hans Lohse, hat Frau Beara Lohse-Hermanussen geschafft im 2007 Chiatura zu besuchen. Zusammen Frau Irma Tepnadze har sie auch die Orte besucht, wo Hans Lohse die Jahre der Gefangenschaft verbracht hat.

Im Juni 2018, haben die Mitglieder von Sovlab Ana Margvelashvili und Irakli Khvadagiani Frau Beate Lohse-Hermanussen im Hamburg kennengelernt (Dank frau Irma Tepnadze)und zusätzliche Dokumente aus Familienarchiv und Nachlass von Herrn Hans Lohse bekommen (Handgeschriebene Briefe koennten wir bis jetzt noch nicht entziffern). Die Sammlung wird auf der Web-Portal www.german-georgian.archive.ge veröffentlicht.

Was den beiden Memorien (Hans Lohse, Oskar Heil) anbelangt, wird die Soviet Past Research Laboratory sie gerne in der Reihe Verbotene Erinnerung – ein Mensch, ein Schicksal, gemeinsame Geschichte - veröffentlichen.

Leider hat unsere Organsiation keine Mittel für die Übersetzung und Veröffentlichung, aber wir hoffen auf die Unterstützung unserer treuer Freunde und Leser und werden bald die Spendeaktion für die Übersetzungs- und Druckkosten ankündigen.

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