2017-08-25
ავტორი : Anna Margvelashvili
Im Reiche von Medea

1923 hat das Auslandinstitut Stuttgart reiches visuelles Material in Bremen ausgestellt, das das Leben der Deutschen im Ausland dokumentierte. Später schrieb ein Besucher unzufrieden: „Die Ausstellung umfasste das Material über unsere Brüder im Südamerika und Ostasien, in Banat und im Süden Russlands, aber eine Gruppe fehlte: die Deutsche des Südlichen Kaukasus. Nicht weil sie in Vergessenheit gerieten. . . Das nicht! Das Institut besaß einfach kein visuelles Material über sie“. Genau diese Lücke gab den Anstoß für den deutschen Reisenden und Forscher Alfred Nawrath, sich mit der Fototechnik auf den Weg in den Kaukasus zu machen.


Die Spur von Alfred Nawrath habe ich einen ganzen Monat lang gesucht. Zuerst stoß ich ganz zufällig auf seinen Namen im Bundesarchiv in 2015 in der Dokumentation, die ich zu einem ganz anderen Zwecke suchte. Das Material betraf die Tätigkeit des Deutschen Gymnasiums und das Leben der deutschen Siedler in Tbilisi. Da ich sowieso im Archiv war, machte ich davon Kopien und nahm sie mit. Das Thema war aber nicht im Interesse meiner persönlicher Recherche und auch nicht des Sovlab. Danach habe ich diese Unterlagen gänzlich vergessen.

2017 ist das Jubiläumsjahr der Deutsch-Georgischen Beziehungen (200 Jahre) und Georgien sowie Deutschland organisieren aus diesem Anlass verschiedene Verastaltungen. Auch dieses Projekt ist eine davon. Das Leitmotiv des Jubiläumsjahrs ist“Zukunft Erben”. Es hat sich ergeben, daß auch Sovlab sich diesem großen Programm anschloss und auf der Basis des gesellschaftlichen Archivs (www.archive.ge) zusätzlich an der Erstellung eines Archivs des georgisch-deutschen Gedächtnisses (www.german-georgian.archive.ge) arbeitet. Das Archiv umfasst verschiedene Aspekte und Themen der zwei Jahrunderte langen Freundschaft der beiden Länder. Aus diesem Grunde habe ich im Dezember 2016 die oben erwähnten Dokumente rausgezogen, um genau zu wissen, wen sie betraffen und wie wir sie hätten eventuell nutzen können.

Zwei Hauptthemen fielen mir auf: das deutsche Gymnasium von Tiflis, der Bericht über seine Tätigkeit und die Zitate von Alfred Nawrath über die deutschen Siedlungen in Georgien. Da ich mich mit diesem Thema nicht auskenne und es nicht forsche, sagte mir der Name erstmal nichts. Wir haben angefangen, Informationen zu suchen.

Es hat sich herausgestellt, dass der Autor 1923 durch Georgien reiste und offensichtlich der erste deutsche Reisende im sowjetischen Georgien war. 1924 erschien sein erstes Buch „Im Reiche von Medea“ in Leipzig. Die Auskunft über das Buch habe ich schnell finden können und da sie Ausgabe vom 1924 günstig war, habe ich sie bestellt. Bevor das Buch kam, wollte ich mehr über seinen Autor herausfinden. Ich fand es seltsam, dass in diesem endlosen Internetraum die Biographie von Alfred Nawrath nirgends zu finden war. Dabei ist er Autor verschiedenen Reisepublikationen, über die die Auskunft überall zu finden ist.


Dieses Buch kann ich allen an den Texten ausländischer Reisender und Autoren Interessierten Menschen (Deutschsprachigen) herzlich empfehlen. Das Buch umfasst interessante Auskünfte über die kulturelle und Bildungstätigkeit der Deutschen im Kaukasus und Tiflis (deutsche Gymnasium, die Eröffnung des Kaukasischen Museums), das deutsche Krankenhaus von Tiflis, die Ärzte, die dort tätig waren, über ihre Pläne im medizinischen sowie wissenschaftlichen Bereich und über das Leben der deutschen Siedlungen. Mit besonderer Sorgfalt beschreibt der Autor die deutsche Siedlung von Azerbaijan Helenendorf und fügt das Fotomaterial hinzu. Er fotografierte auf seinen Reisen selber.

Wir sind der Meinung, dass einige Ausschnitte aus dem Buch von Alfred Nawrath auch für den georgischen Leser interessant sein könnten und das georgisch-deutsche Archiv ergänzen würden.

Bei der Vorbereitung des Informationsmaterials sind wir wieder auf die Notwendigkeit der Recherche der biographischen Auskünfte über den Autor gestoßen, die zu finden, wie schon erwähnt, schwierig war. Obwohl das eigentliche Ziel die Suche seines Fotoarchivs ist und weniger die Forschung der Biografie des Autors (im Buch „Im Reiche von Medea“ ist gesagt, dass er auf seinen Reisen selber fotografierte. Die Bilder sind sehr interessant und oft einmalig) – ich habe mit der Recherche seiner biographischen Daten fortgeführt. Das heißt, ich bin ins Labyrinth der Archiv- und Bibliothekforschung eingetreten.

Schritt 1: Nach fragmentierter Auskunft (Der Spiegel, # 34, 1949) war Alfred Nawrath eine Weile Direktor eines der Museen von Bremen (Bremer Museums für Natur-, und Völker und Handelskunde). Deshalb schrieben wir in erster Linie das Museum an und erkundigten uns nach der Biographie von Alfred Nawrath. Zu unserem Erstaunen konnte man uns auch dort keine Auskunft geben und hat uns höfflich und zeitnah an das Landesarchiv Bremen weitergeleitet. Das Museum empfahl uns ein Buch, das die Auskunft über deutsche Reisende in Rußland enthältt, darunter auch ihre biographische Angaben (Matthias Heeke, Reisen zu den Sowjets. Der ausländische Tourismus in Russland 1921-1941. / Lit Verlag Münster – Hamburg – London, 2003).

Schritt 2: Wir schrieben das Archiv von Bremen an; man antwortete über-operativ, ja, die private Akte von Alfred Nawrath sei in der Tat im Archiv aufbewahrt und wir können sie jederzeit vor Ort anschauen und mögen vor dem Besuch das Archiv anschreiben, damit die Akte für uns bereit im Lesesaal vorliegt (damit weder wir die Zeit verlieren, noch die Mitarbeiter des Archivs auf die Schnelle suchen müssen). Die Antwort freute uns sehr, es war uns aber klar, dass die Forschung über die Person und persönliche Angaben des Autors nicht unsere Aufgabe war. Trotzdem haben wir das Archiv im Blick behalten. Durch die fruchtbaren Beziehungen mit dem Landesarchiv von Bremen haben wir herausgefunden, dass nur die Fotos von Nawrath im Archiv aufbewahrt sind, die Bremen anbetreffen und sie wissen nicht, wo die Fotosammlung mit den Bildern aus Georgien sein könnte (ein paar Fotos sind in Berlin, im elektronischen Katalog des Bundesarchivs zu finden).

Schritt 3: Als wir erfuhren, dass das von einem Mitarbeiter des Bremer-Museums empfohlene Buch über die deutschen Reisenden in der sowjetischen Zeit auch biographische Angaben enthielt, haben wir angefangen, sie im Netz zu suchen. Wir haben in den Bibliotheken derjenigen Städte gesucht, in denen wir in der Zukunft zu anderen Anlässen sein würden oder in denen uns Bekannte beim Kopieren des Materials vor Ort helfen könnten. Die Online-Suche in den Bibliotheken Deutschlands braucht einerseits Wissen, andererseits Zeit. Ich bemühte mich sehr und bat am Schluss meine und Sovlab’s große Freundin und außergewöhnliche Forscherin und Kennerin der kaukasischen Sammlungen der Archive von Frankreich Ana Tscheischwili (Paris) um Hilfe. Das Buch war auch in der Bibliothek von Paris aufbewahrt und Anna schickte uns das eingescannte Material nach ein paar Tagen. So fanden wir die kurze Biographie des Reisenden und Fotografen Alfred Nawrath. Für die Forscher der deutschen Reisenden in der UDSSR ist das wirklich ein äußerst interessantes Buch. Zu der Auskunft über die Autoren findet man verschiedene Quellenangaben. So haben wir herausgefunden, dass dem 1924 erschienenen Buch „Im Reiche von Medea“ Rezensionen folgten, darunter die des Kaukasusforschers Gottfried Merzbacher und Adolf Dirr. Dementsprechend haben wir mit Hilfe von Anna Tscheischwili versucht, einige Artikel und Rezensionen über das Buch zu finden.


Alfred Nawrath

Alfred Nawrath wurde 1890 in Karge geboren und ist 1970 in La Palma gestorben. Er war hauptsächlich im Bildungsbereich tätig, war Reiseschriftsteller und Fotograf. 1909-1914 studierte er in Breslau und in Wien, arbeitete mit dem Deutschen Archäologischen Institut in Athen zusammen. Er reiste viel. Wegen der schlechten Augen ging er nicht in den 1. Weltkrieg. Nawrath unterrichtete in Breslau, ab 1917 war er Mitglied des Studienausschusses des Alten Bremer Gymnasiums. Wegen häufiger Reisen und Abwesenheit und auch aus psychologischen Gründen hatte er stets Auseinandersetzungen mit der Schuleinrichtung. 1923 reiste er nach Georgien. 1933 wurde er von preußischen Schuldienst wegen der „Unwürdigen Abwesenheit“ entlassen. Nawrath veröffentlichte wissenschaftliche Publikationen und hielt Vorträge. 1945-1946 war er Vorsitzender des Regierungsausschusses des Kunst- und Wissenschaftsdienstes von Bremen. Zeitgleich leitete er das Bremer Museum für Natur-, und Völker und Handelskunde (heute das Überseemuseum Bremen). Ab 1946 war er Mitglied der Organisation zu Entnazifizierung Bremens (die Auskunft im Netz ist ziemlich fragmentiert und gibt nicht die Möglichkeit einer vollen Rekonstruktion). 1946 ging er auf seinen Antrag hin in Rente. Auf Einladung des Premierministers von Indien Pandit Nehru reiste er nach Indien, wo er seine langjährige Forschung über indische Religion vollenden und an Ausgrabungen teilnehmen wollte. Er schrieb weiter als unabhängiger Autor und veröffentlichte einige Reisebücher, darunter „Im Reiche von Medea – Kaukasisches Abenteuer“. Die Beschreibung des Landesarchivs von Bremen zeigt, dass über ihn eine Akte als über einen politischen Flüchtling existiert.

„Im Reiche von Medea

1924 erschien das Buch „Im Reiche von Medea“ im Brockhaus Verlag. 1923 trat der Autor die Reise in Hamburg mit einem Frachtschiff an und erreichte nach einer Weile Batumi. Aus Batumi fuhr er zuerst nach Tiflis weiter, zog dann nach Wladikawkaz und kam später wieder nach Tiflis zurück. Dabei besuchte er auch die deutsche Siedlung Helenendort in Azerbaijan. Nach Deutschland kehrte er über Istanbul zurück. Die Reise umfasste die zweite Hälfte des Jahres 1923 vom Juli bis Januar. Am Silvester 1924 war Nawrath auf dem Schiff.


Am Anfang des Buchs beschreibt der Autor detailliert die Geschichte der Ansiedlung der ersten Deutschen im russischen Zarenreich und entsprechend, im Kaukasus. Er gibt uns die Auskunft über die ersten Siedlungen um Tiflis: Neu Tiflis und Alexandersdorf. Er beschreibt die Bedeutung, die Geschichte und die Herausforderungen der ehemaligen deutschen Schule, damals schon Deutsches Gymnasium genannt, die kulturelle Rolle solcher Lehreinrichtungen und allgemein die Tätigkeit der Deutschen in Georgien, spricht von den geplanten Übersetzungen der medizinischen Literatur, über das deutsche Krankenhaus und darunter auch über das eingeführte Röntgen-Gerät. In seinem Buch erzählt er von einem Treffen mit den Mitarbeitern des Krankenhauses:

„Auf dem Empfang für Universitätsprofessoren und der Ärzte des Deutschen Krankenhauses sprach Ghambarow die Worte, die aus seinem Herzen herausbrachen und unsere Herzen erreichten. Er unterstrich dabei, was die Deutschen weltweit in jedem Bereich der menschlichen Möglichkeiten erreicht haben. Unsere heilige Tradition ist, dass wir uns an die Verstorbenen erinnern, fuhr Ghambarow fort und ehrte die Verdienste von Merzweiler. Wer ist Merzweiler? Wer kennt seine Verdienste in Deutschland? Herr Merzweiler war der Hauptarzt des Deutschen Krankenhauses von Tiflis, der 1923 schon verstorben war und der viel zur Gründung und Entwicklung des Krankenhauses beitrug.“


Nawrath hatte als Fotograf entsprechende Technik dabei: die Linsen, die Ausrüstung, die Chemikalien für die Fotoabzüge usw. Im sowjetischen Batumi konnte er diese Fracht nicht verzollen. Man bat ihm an, die Fracht nach Tiflis zu senden und sie dort zu verzollen. Wegen der Zollangelegenheit und auch weil Nawrath der erste deutsche Reisende im sowjetischen Georgien war, traf er den damaligen Volkskommisar Malakia Toroschelidze, der ihn persönlich empfing. „Der zutiefst gebildete Herr mit vielseitigen Interessen. . . begrüßte mich, den ersten Deutschen, der ins Land kam, um das Land ohne Vorurteile zu bewerten und die Grundlage für die künftige Zusammenarbeit zu legen“. Ausnahmsweise hat man Nawrath erlaubt, die Technik einzuführen samt den chemischen Stoffen und der Ausrüstung, dessen Import generell verboten war.

Allgemein zeigt der Autor viel Sympathie gegenüber der neuen, sowjetischen Regierung, lobt die Eisenbahn Russlands, die herrschende Ordnung und das Bestreben der jungen Macht, das Land auf den Weg der Zivilisation zu bringen und stellt dabei das skeptische Verhältnis von außerhalb gegenüber der sowjetischen Macht dar.

Nawrath beschreibt Batumi und seine Umgebung, wo er die Gelegenheit bekam, vor der Fahrt nach Tiflis spazieren zu gehen, sowie den Weg und die ganze Reise. Wie schon erwähnt, fotografierte er auf der Reise selber. Aus dieser Fotosammlung, die Sovlab gerade sucht, sind 86 Bilder im Buch eingegangen.

Das 1924 erschienene Buch „Im Reiche von Medea“ scheint gute Werbung und Rezension gehabt zu haben. Gottfried Merzbacher schrieb in der Geographischen Zeitschrift vom Jahr 1925 (Nr. 5, Seiten 310-311) über das Buch: „Mit freundlicher Sprach geschrieben, liest sich leicht, ein in Feuilleton-Stil verfasster Bericht über die Schiffreise“. Er bewertet die Erzählweise des Autors positiv und sagt, das Buch liest sich gut, obwohl der Autor nichts Neues sagt. Merzbacher ist der Meinung, dass manche Orte übertrieben beschrieben sind, übertrieben sind auch die mit der Reise verbundenen Gefahren und die Werbung, die der Veröffentlichung des Buchs folgten. Besonders im Hinblick auf die Fachkreise (aus dem geographischen Blickwinkel), denn wie der Autor selber sagt, „das Buch zielt nicht auf die Forscher, sondern auf weite Lesekreise“. Merzbacher denkt, dass auch die Beschreibungen von der Siedlung Helenendorf keine neuen Informationen gibt, außer der freudigen Nachricht, dass trotz der politischen Unruhen und der schwierigen Periode die Kolonie weiter existiert. Merzbacher lobt das im Buch vorhandene Bildmaterial.


Was die Rezension von Adolf Dirr betrifft, erschien sie 1925 in der Orientalischen Literaturzeitung. Der Autor lobt die Erzählweise von Nawrath und fügt mit Ironie hinzu: „An besonderem Kolorit gewinnt sie dadurch, dass der Autor offen mit den Bolschwiken sympathisiert“. Dirr sagt, dieses Buch kann nicht zur Vertiefung des Wissens über den Kaukasus beitragen und ergänzt, dass das verwendete Bildmaterial gut ist und die Wahrnehmung des Texts leichter macht.

Trotz der Bewertungen, dass das Buch von Nawrath für Kaukasuskenner nichts Neues zu sagen hat, ist es für die georgischen Forscher, die sich mit den Reisebüchern aus Georgien befassen, eine interessante Lektüre. Seit 1924 erschien keine neue Auflage des Buchs mehr.


Die Auskunft über den Autor und das Buch „Im Reiche von Medea“ haben zusätzliche Forschungsthemen in den Vordergrund gebracht. Für die Ergänzung des georgisch-deutschen Gedächtnisarchivs und um dem interessierten Forscher zusätzliches Material erhältlich zu machen, haben wir in Archiven und Bibliotheken in diesen Richtungen zu suchen angefangen:

  1. Deutsche Schule und Realgymnasium von Tiflis
  2. Deutsches Krankenhaus in Tiflis

Durch die Jagd nach Nawraths Reiseberichten haben wir viel interessantes Material gesammelt und werden im Stande sein, auch diese Richtung der deutsch-georgischen Beziehungen zu erweitern. Davor wollen wir aber dem interessierten Leser die Möglichkeit geben, sich mit dem Buch von Alfred Nawrath „Im Reiche von Medea“ einschließlich seinem Bildmaterial hier vorzustellen:

http://german-georgian.archive.ge/ka/document/132

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