2017-11-19
ავტორი : Manana Paitschadse
Zur geschichte der Germanistik in Georgien

Die Germanistik war an der Staatlichen Universität Tbilisi immer ein besonders starkes Fach. Leider ist das heute Geschichte. Es ist seltsam, aber verständlich: in jeder Epoche folgten auf Kataklysmen Krawalle, Unruhen und Missverständnisse, die oft bis zur Absurde getrieben wurden. So geschah es auch bei u­­ns.

Die Fakultät für westeuropäische Sprachen und Literatur der Staatlichen Universität Tbilisi wurde 1947 auf Initiative von Erekle Tatischwili gegründet. Nach dem Auswahlverfahren von 2006 ist die Zahl des akademischen Personals der Fachrichtung Germanistik drastisch zurückgegangen. Allmählich verringerte sich auch die Anzahl der Studierenden. Der Leser wird aber verstehen, dass ich nicht nur wegen der quantitativen Verringerung besorgt bin. Heutzutage ist die Germanistik viel stärker an der Staatlichen Akaki Zereteli Universität Kutaisi vertreten, wo die Schwerpunkte in gleichem Maße verteilt werden - sowohl das praktische Unterrichten der deutschen Sprache als auch wie das Unterrichten der sprachwissenschaftlichen und literaturwissenschaftlichen Studien wird ebenmäßig gefördert.

Zu jener Zeit aber fielen die Kenntnisse, die Erekle Tatischwili und folgende Generationen seiner Kollegen so sorgfältig aufbewahrten, auf einen fruchtbaren Boden. Es kam eine neue Generation der Germanisten. Von 1940 bis 2006 waren hier mehrere Generationen der Profis tätig, unter ihnen:

Praktizierende Lehrer: Niko Kadagidse, Pawle Iaschwili, Luzi Kurdiani, Wilhelmina Bachtadse, Tamar Hoffmann, Elene Siradse, Isolda Dandurowa, Neli Kreuz, Ketewan Chundadse, Rusudan Gamcharaschwili, Natela Nadareischwili, Lamara Lukava, Soslan Matscharadse, Tengis Tschotschua, Tinatin Kajaia, Tamila Sesiaschwili, Makwala Kurdadse, Merzia Macharadse, Guliko Sicharulidse, Anastasia Laschkaradse, Natella Chuzischwili, Isa Aghladse, Viola Purtseladse, Nelli Amaschukeli, Nata Djanelidse, Lia Baramidse, Ursula Kurdiani, Tengiz Siradse, Lali Napetwaridse, Tinatin Gabiani, Lia Zkitischwili, Meri Radiani, Leila Baramidse, Dali Butschukuri, Tina Rukhadse, Lia Chorawa, Nana Dschibladse, Nana Kuprawa, Lia Dsadsamidse, Ia Khwadagiani, Marika Andrasaschwili, Manana Manjgaladse, Sisi Bodzaschwili, Nana Gogolaschwili, Dali Panjikidse, Dali Sicharulidse, Alexander Kartosia, Manana Paitschadse, Tamar Tschumburidse, Karlo Samniaschwili, Dali Gamkrelidse, Liana Solomonia, Ketewan Kalandadse, Nino Gogelia, Nino Tkeschelaschwili, Nino Kimeridse, Nunu Kapanandse und andere.

Die linguistischen theorethischen Fächer wurden unterrichtet von: Viola Purtseladse, Anastasia Laschkaradse, Lali Kezba, Mzia Gventsadse, Samson Karbelaschwili, Natella Chuzischwili, Nelli Amaschukeli, Manana Paitschadse, Alexander Kartosia, Nana Gogolaschwili, Dali Pandjikidse, Sophie Mudschiri.

Die literaturwissenschaftlichen Fächer von: Erekle Tatischwili, Mikheil Kweselawa, Schota Rewischwili, Grigol Chawtasi, Otar Dschinoria, Surab Tscharchalaschwili, Nodar Kakabadse, Reso Karalaschwili, Rusudan Zichitatrischwili, Naira Gelaschwili, Gulsunda Tschawleischwili, Tinatin Gabiani, Nino Bakanidse, Tamar Kighuradse, Manana Chatschapuridse, Maia Pandjikidse.

Der ideologische Druck in dieser Zeit war im Vergleich zu vorigen Jahren nicht mehr so stark und erleichterte den Zugang zur Literatur und zur Information allgemein.

Georgien war eine der ersten sowjetischen Republiken, wo man mit der Forschung und der Übersetzung der Autoren wie Thomas Mann, Hermann Hesse, Franz Kafka, Robert Musil, Georg Trakl, Robert Walser, Rainer Maria Rilke und Berthold Brecht angefangen hatte. Diese Germanisten waren: Nodar Kakabadse, Reso Karalaschwili, Nelli Amaschukeli, Dawid Dawlianidse, Naira Gelaschwili. Hier möchte ich auch ausgezeichnete Übersetzer wie Giorgi Dschorschaneli, Karlo Dschordschaneli und Otar Chuzischwili erwähnen.

Die Übersetzungstätigkeit bildete eine der Stützen der Germanistik. Die Übersetzer-Germanisten arbeiteten eng mit dem von Otar Nodia 1974 gegründeten Zentrum für Übersetzungen schöngeistiger Literatur und literarische Beziehungen, dem sogenannten „Kollegium“ zusammen. Die Übersetzungen erschienen in den Zeitschriften “Saundje” und “Ziskari”. Oft geschah es, dass die renommierten Werke der “kapitalistischen Länder” zuerst ins Georgische und erst danach ins Russische übersetzt wurden. In Georgien schien die Aufnahme westlicher Kultur viel einfacher zu gelingen und auch das Interesse dafür war hierzulande grösser. Diese Gruppe der Germanisten gab ihre Kenntnisse und Erfahrungen an folgende Generationen weiter, die ihnen ein Studium in Jena, Berlin oder Leipzig ermöglichte, was ein großes Privileg war (leider haben viele von ihnen den beruflichen Weg nicht mehr weiterverfolgt).

1966 wurde ein Partnerschaftsvertrag zwischen der Staatlichen Universität Tbilisi und der Friedrich-Schiller-Universität Jena unterzeichnet. Das ermöglichte in den Jahren 1971-1972 den folgenden Studierenden ihr Studium in Jena fortzusetzen: Malchas Radiani, Nino Begiaschwili, Manana Zakadze (später Pfeifer), Dali Gamkrelidse, Marine Lortkipanidse (später Lortkipanidse-Piel), Marine Gorgadse, Neli Tatulaschwili, später Maia Kasradse, Tamar Orkodaschwili, Rewas Seinabischwili, Rodam Paghawa, Karlo Samniaschwili; die nächste Welle der Studium-Delegierten: Jena - Manana Achalkazi, Nugsar Tughuschi, Elsa Gabedawa; Leipzig - Nana Dsigraschwili, Nino Metecheli, Marina Metreweli, Gogi Alibegow. 1976 waren in Jena: Gaga Tschcheidse, Nino Pirzchalawa, Mariam Baramidse, Maia Tscharchalaschwili; 1977 in Berlin: Alexander Kartosia, Chatuna Kopaleischwili, Maia Unapkoschwili, Lali Tschchwimiani, 1980 in Berlin: Dali Nosadse, 1977 in Leipzig: Tamar Tschumburidse und Lia Chulelidse; 1978 in Jena: Dato Kakabadse und Manana Paitschadse; 1979 in Jena: Maia Pandjikidse, Tamar Kighuradse, Anna Roinischwili. In den darauffolgenden Jahren setzten ihr Studium an der Universität Jena Nodar Gugutsidse, Nino Pitschelauri, Msia Dachundaridse-Galdawadse, Wako Dwalischwili, Gia Okudschawa, Lascha Bakradse, Manana Alibegaschwili, Manana Dawlianidse, Rusudan Schaburischwili und Tamar Imedadse fort; an der Universität Leipzig studierten: Natia Mikeladse, Lika Chubuluri (Zereteli), Eka Neparidse-Reissner und Natia Datuaschwili.

In verschiedenen Jahren arbeiteten an der Universität Jena folgende Germanisten an ihrer Diplomarbeit 10-Monate lang: Manana Kutelia, Marine Dschaschi, Chatuna Zinzadse, Medea Tkeschelaschwili (Kraweischwili), Manana Mudschirischwili, Marina Tomaschwili, Nino Nachutsrischwili (Bakanidse), Asmat Pizchelauri (Pardschiani), Nino Waschakidse, Tinatin Dilibasaschwili (Budjiaschwili) und Okropir Ruchadse.

In Anspielung an Ilia Tschawtschawadses Begriff „Tergdaleuli“ – wörtlich übersetzt als: diejenigen georgischen Studierenden, die ihre Hochschulbildung jenseits des Flusses Terek (georg. Tergi) erhalten hatten (also in Russland), nannten wir einander scherzhaft “Spree-daleuli” (das Spree-Wasser getrunkenen) und “Saale-daleuli” (das Saale-Wasser getrunkenen).

1969-1970 war Guram Ramischwili als erster georgischer Gastprofessor an der Universität Jena tätig. Sein Forschungsthema umfasste Wilhelm von Humboldts Sprachphilosophie. Guram Ramischwili war der erste georgische Wissenschaftler, der an der Universität Jena habilitierte. Am 3. März 1992 habe ich (Manana Paitschadse) nach der Wiedervereinigung Deutschlands an der Universität Leipzig im Fach Germanistische Sprachwissenschaft habilitiert.

Es ist interessant, dass es an der Universität Jena ein 1961 gegründetes Institut für Kaukasiologie gab. Das Institut wurde zuerst von Professor Gertrud Pätsch (1910-1994) geleitet, später von ihrem Schüler und Nachfolger Professor Heinz Fähnrich (geb. 1941), der 1971 an der Staatlichen Universität Tbilisi unter der Leitung von Akaki Schanidse zum georgischen Verb habilitierte. Professor Fähnrich wurde mit dem Akaki Schanidse-Preis und dem Marie-Brosset-Preis ausgezeichnet und ist ausländisches Mitglied der Georgischen Akademie der Wissenschaften. Er gründete die Interessengemeinschaft (IG) „Sozialistisches Georgien“, was eigentlich ein Deckname für die „Gesellschaft der Freunde von der DDR und Georgien” war. Es wurden spezielle Programmhefte gedruckt mit der Überschrift – „Jenaer Club. Hochschulgruppe, Kulturbund der DDR“. Die Gesellschaft organisierte regelmäßige Sitzungen, auf denen georgische und deutsche Wissenschaftler sowie die georgischen Studierende in Jena Vorträge hielten. Des weiteren gründete Professor Fähnrich 1978 die Zeitschrift „Georgica“, die bis heute erscheint. Außer der wissenschaftlichen Tätigkeit führten sowohl Gertrud Pätsch als auch Heinz Fähnrich Übersetzungsarbeit durch: Getrud Pätsch gehört die Übersetzung des historischen Romans von Konstantine Gamsachurdia “Die rechten Hand des großen Meisters” (Verlag Kultur und Fortschritt, Berlin, 1969) und die historische Chronik “Das Leben Kartlis. Eine Chronik aus Georgien 300-1200“, erschienen 1985 im Dietrich Verlag Leipzig. Heinz Fähnrich hatte georgische Märchen, ausgewählte Gedichte von Galaktion Tabidse, Sulchan-Saba Orbelianis “Die Weisheit der Erdichtung”, Grigol Abschidses “Lascharela” und andere Werke übersetzt.


Getrud Pätsch (zweite von links) mit georgischen Germanisten. Aus der Sammlung von Nelli Amaschukeli.

Zu den georgisch-deutschen kulturellen Beziehungen trugen auch die Theaterkontakte bei. Auf das georgische Publikum hinterließen einen unvergesslichen Eindruck die Gastspiele des Brecht- Theaters „Berliner Ensemble“ am 21.-29. Oktober 1971 in Tbilisi. Auf der großen Bühne des Rustaweli -Theaters wurde die „Dreigroschenoper“ und „Coriolanus“ aufgeführt (zur Erinnerung habe ich das Programm aufgehoben). Wichtig waren auch die Gastspiele des Theaters aus Düsseldorf 1978, das „Kabale und Liebe“ von Schiller und die „Kleinbürgerhochzeit“ von Brecht auf der großen Bühne des Rustaweli - Theaters gezeigt haben.

Für die Entwicklung der georgischen Germanistik spielten die kulturellen Beziehungen zwischen Saarbrücken und Tbilisi eine große Rolle. Der Partnerschaftsvertrag wurde offiziell 1975 unterzeichnet, obwohl das Austauschprogramm im kulturellen Bereich viel früher eingesetzt wurde: In Saarland fanden die Tage georgischer Kultur und in Tbilisi die Tage der Kultur der Bundesrepublik Deutschland statt. In den 70-er Jahren wurden in Saarbrücken und in Tbilisi mehrere Theaterstücke aufgeführt: der Intendant des Saarbrücker Stadttheaters Hermann Wedekind hat in Tbilisi folgende Stücke inszeniert: „Der fliegende Holländer“ und „Lohengrin“ von Richard Wagner (in deutscher Sprache, Uraufführung am 4. April 1973), „die Zauberflöte“ von Mozart (in georgischer Sprache, Uraufführung am 21. Dezember 1975 in der äquirhythmischen Übersetzung von Nelli Amaschukeli). Giso Jordania inszenierte „Daissi“ (dt. „Abenddämmerung“) (Uraufführung - 1973), Otar Taktakischwilis „Mindia“ (Mai-Juni 1974); Robert Sturua und Temur Tschcheidze – „Samanischwilis Stiefmutter“. Es fanden die Gastspiele vom Georgischen Staats-Quartett, dem Ensemble „Rustawi“, ein Gala-Konzert der Solisten des Operntheaters und andere. Es ist erwähnenswert, dass die georgischen Opernstücke in Saarbrücken in deutscher Sprache in der äquirhythmischen Übersetzung von Nelli Amaschukeli von deutschen Sängern aufgeführt wurden, „Samanischwilis Stiefmutter“ aber in deutscher Sprache (übersetzt von Giwi Margwelaschwili und Nelli Amaschukeli) von deutschen Schauspielern.


Proben im Saarländischen Staatstheater. In der Mitte Nelli Amaschukeli. Aus der Sammlung von Nelli Amaschukeli

In den 90-er Jahren fanden in Düsseldorf die Tage georgischer Kultur mit den Gastspielen vom Operntheater Tbilisi (Zacharia Paliaschwilis „Abesalom und Eteri“, Sergej Prokofievs „Feuerengel“ und ein Konzert des Ensembles „Rustawi“) statt.

Wichtig waren die Besuche der bekannten deutschen Schriftsteller, Dichter und Übersetzer wie Heinrich Böll, Erwin und Eva Schrittmater, Hans Magnus Enzensberger, Rainer Kirsch, Elke Erbe, Adolf Endler, Herman Buddensieg, Wolf Biermann und anderer und ihre Zusammenarbeit mit den führenden georgischen Germanisten, wie: Nodar Kakabadse, Reso Karalaschwili, Nelli Amaschukeli, Natella Chuzischwili, Naira Gelaschwili und Giwi Margwelaschwili.


Heinrich Böll in Tbilisi, 1966. Links Reso Karalaschwili. Aus der Sammlung von Nana Schengelaia.

Diese Gruppe der Germanisten zeichnete sich durch breite Denkweise, große Gelehrsamkeit und persönliche Eigenschaften aus. Der Kontakt mit ihnen war eine besondere Ehre sowohl für ihre ausländischen und georgischen Kollegen, als auch für ihre Studenten. Leider gibt es solche Beziehungen heutzutage kaum noch, was an der Verminderung des Persönlichkeitsformats, oder anders formuliert - der Minimalisierung dessen liegt.

Ich möchte gerne noch eine Institution hervorheben, die zur der Blütezeit der Germanistik in Georgien einen bedeutenden Beitrag geleistet hatte: die Ortsvereinigung Tbilisi der internationalen Goethe-Gesellschaft.



Die Internationale Goethe-Gesellschaft

Die gefeierte Goethe-Gesellschaft wurde 1885 in Weimar gegründet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde aus einem national-deutschen Institut eine internationale Gesellschaft, deren Präsident ein Deutscher sein musste und wenn dieser aus Westdeutschland kam, musste sein Stellvertreter aus Ostdeutschland sein und umgekehrt.

Alle zwei Jahre findet im Frühling oder zu Sommeranfang die Hauptversammlung der Goethe-Gesellschaft in Weimar statt (dauert ca. 3 bis 5 Tage). Sie wird mit einer Plenartagung eröffnet, an der alle Kongressmitglieder teilnehmen. Zur Eröffnung wird ein Einführungsvortrag gehalten und Preise für besondere Verdienste in den Goethe-Studien verliehen. Danach halten die Mitglieder in verschiedenen thematischen Arbeitsgruppen Vorträge, wonach gründliche Diskussionen geführt werden. Am Schluss fasst man die Ergebnisse der Arbeit zusammen und die Gruppenleiter berichten dem Kongress über die Resultate, außerdem hören sich die Kongressmitglieder einen Bericht des Schatzmeisters an. Parallel finden Konzerte, Theateraufführungen und Ausflüge in den Gedenkstätten von Goethe statt.

Von besonderer Bedeutung war diese Gesellschaft und der Kongress für die Länder des sogenannten „sozialistischen Lagers“: nur hier konnten die Germanisten des Ostblocks mit den westlichen Goetheforschern Kontakte knüpfen, sie kennenlernen und mit ihnen einen regen persönlichen Austausch führen. Die Goethe-Gesellschaft und die Hauptversammlung waren für mich die einzige Oase, wo ich bekannte Germanisten (Erich Trunz, Wilhelm Emrich, Fritz Martin, Werner Keller, Uvo Hölscher, Katharina Mommsen, Mazzino Montinari, Luciano Zagari, Cesare Cases, Viktor Žmegač, u. a.) treffen konnte.

So gelang der Durchbruch durch den “Eisernen Vorhang”. Für uns war das eine Art Lebens-“Ventil”, wodurch wir uns von negativen Emotionen und der Aggression des kommunistischen Regimes befreiten. Die Goethe-Gesellschaft spielte eine große Bedeutung auch für Deutsche Demokratische Republik und die Ostblockstaaten. Ein bejahrter Professor der Freiberger Bergakademie sagte einst: „Die Goethe-Gesellschaft war für uns, die die furchtbare Not aushielten, ein Anstoß, eine Stütze, ein Ort, an dem unsere Seele ihre Wundersalbe fand“.

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands und dem Zerfall der Sowjetunion hat die Goethe-Gesellschaft keine politischen Hindernisse und Schwierigkeiten mehr.

Die Goethe-Gesellschaft Tbilisi wurde am 20. Mai 1970 gegründet. Die Idee ihrer Gründung stammte von der Goethe-Gesellschaft in Weimar. In Weimar wurde beschlossen, dass in zwei Städten der Sowjetunion die Gesellschaft gegründet werden sollte, in der die germanistische Schule am stärksten vertreten war, nämlich in Moskau und in Tbilisi.

Aus diesem Anlass kam das Mitglied des Präsidiums der Internationalen Goethe-Gesellschaft Professor Wilhelm Girnus zuerst nach Moskau, dann nach Tiflis und führte Gespräche mit den hiesigen Germanisten. Auf der Gründungsversammlung in Tbilisi wurde die Satzung gebilligt und zum Ehrenvorsitzenden der Gesellschaft Konstantine Gamsachurdia (Autor von 2 Monographien über Goethe, Übersetzer des Briefromans „ Die Leiden des jungen Werthers“, des Prologs von „Faust“ und einiger Goethe-Gedichte) gewählt.

Zum Vorsitzenden der Ortsvereinigung Tbilisi der Goethe-Gesellschaft hat die Versammlung den bekannten georgischen Germanisten und den Goethe-Forscher, den Autor einer fundamentalen Monographie „Goethes Schaffensweg“ Otar Dschinoria gewählt, auf dessen Bestreben hin die Gründung der Goethe-Gesellschaft in Georgien möglich geworden war. (Er hatte geradezu harte Kämpfe sowohl in Tbilisi als auch in Moskau ausfechten müssen, damit er die Erlaubnis bekommen konnte von den Menschen, die dafür zuständig waren und musste die Notwendigkeit und die Angemessenheit dieser Gesellschaft begründen).

Zum Stellvertretenden Vorsitzenden wurden Nodar Kakabadse und Reso Karalaschwili, zur Geschäftsführerin – Naira Gelaschwili gewählt. Die letztere wurde 1975 von Leila Tetruaschwili ersetzt, deren Verdienst keinesfalls vergessen werden darf. Über zwei Jahrzehnte ging sie ihren Verpflichtungen gewissenhaft nach und als sie auf eigenen Wunsch dieses Amtes entpflichtet worden war, haben zuerst Nino Bakanidse, später Nino Gogelia, dann Manana Chatschapuridse und zuletzt Konstantine Bregadse ihr Amt übernommen.


Die Hauptversammlung der Goethe-Gesellschaft: Nodar Kakabadse, Surab Tschchenkeli, Natella Chuzischwili, Nelli Amaschukeli, Reso Karalaschwili in Weimar. Aus der Sammlung von Nelli Amaschukeli.

Von 1975 bis 2001 war Professor Dawid Laschkaradse der Vorsitzende der Goethe-Gesellschaft Tbilisi, 2001-2006 – Professor Nodar Kakabadse, seit 31. Juli 2006 bis heute – Professor Manana Paitschadse, die Stellvertretende Vorsitzende ist die Germanistin und Schriftstellerin Dr. Nino Bakanidse.

Auf den Tagungen der Goethe-Gesellschaft traten oft deutschsprachige Autoren auf. Sie lasen Auszüge aus eigenen Werken, nahmen an Gesprächen und Diskussionen über aktuelle Probleme teil. Das waren: Luise Rinser, Eva Schrittmater, Elke Erbe, Wolf Biermann, Peter Handke, Barbara Frischmuth, Heinrich Böll, Hans-Magnus Enzensberger, Christoph Heine, Michael Scharang, Rainer Kirsch, Zarah Kirsch, Adolf Endler, Peter Große, Giwi Margwelaschwili und andere – zuletzt war es Rüdiger Safranski (2015).

Die Ortsvereingung Tbilissi der Goethe-Gesellschaft verfolgt keine kommerziellen Ziele, auch keine religiös-christliche oder politische Mission. Die Tätigkeit sowohl des Präsidenten, als auch des Vizepräsidenten und des Präsidiums ist ehrenamtlich. Die Gesellschaft führt auch wohltätige Tätigkeit durch.

Heutzutage steht die Goethe-Gesellschaft vor den gleichen Herausforderungen, wie die georgische Germanistik und die georgische Gesellschaft im Allgemeinen - das sind der Nachwuchsmangel und zwar nicht nur im quantitativen Sinn, sondern auch hinsichtlich des qualitativen fachlichen Wissens und Könnens. Hinzu kommt auch der Mangel am Format von Persönlichkeiten.


Prof. Dr. Manana Paitschadse

Vorsitzende der Ortsvereinigung Tbilisi der Goethe-Gesellschaft in Weimar e. V.

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