2019-01-29
ავტორი : Anna Margvelashvili
Aufzeichnungen über die Geschichtsmesse 2019

Deutschland ist ein Land der Messen und der Festivals. Im Moment bin ich auf der Geschichtsmesse 2019, auf welcher sich jene Organisationen versammelt haben, die sich mit der Erforschung und Aufarbeitung der Vergangenheit und Geschichte sowie mit dem Themenfeld politische und zivile Bildung auseinandersetzen. Sie stellen auf der Geschichtsmesse ihr Material vor, welches sich an Bildung und Wissenschaft richtet.


Unsere Organisation Sovlab (Soviet Past Research Laboratory) nimmt in diesem Jahr zum ersten Mal an der Messe, im Rahmen einer zusammenfassenden Diskussion, teil. Ich schaue mir die an den Ständen ausgestellten Broschüren, Bücher, Postkarten, Filme sowie Forschungsmaterialien an und sammle sie in der Hoffnung, dass wir sie eines Tages nutzen können, dass auch bei uns eines Tages verschiedene Gruppen entstehen werden, die sich mit der Aufarbeitung der Vergangenheit auseinandersetzen, dass diese Materialien in Sovlab ihre Verwendung finden und auf das Interesse möglichst vieler Leser stoßen, z. B. als zusätzliche Lernmittel, als außerschulische Ressourcen oder als Mittel zur Schaffung von Hilfslehrbüchern, die zur Verbesserung der Forschungsfähigkeiten beitragen können.




Die Geschichtsmesse wird von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED Diktatur (Bundesstiftung Aufarbeitung) bereits zum 12. Mal organisiert. Das Thema ist jedes Jahr ein Anderes. Die Teilnehmer versuchen, dieses Thema aus verschiedenen Blickwinkeln und Aspekten zu beleuchten; seit drei Tagen lausche ich argumentierenden Debatten und dem Meinungsaustausch der Teilnehmer. Die Debatten betreffen nicht nur die Aufarbeitung der Geschichte und die politische Bildung, sondern auch die aktuellen Herausforderungen, vor denen die Gesellschaft steht: die Vermehrung und das Erstarken rechtradikaler Gruppierungen, die Gefahr, die die Demokratie und die Grenzen der unbegrenzten Meinungsfreiheit gefährden können, sowie Debatten über Kultur und andere wichtige politische oder gesellschaftliche Themen.

Außer der Geschichtsmesse veranstaltet die Stiftung Aufarbeitung jedes Jahr mehrere Veranstaltungen, darunter das Treffen der Organisationen in Kreisau, die im Bereich der Gedächtniskultur, der Gedenkstätten und der Museen aktiv sind. Die Anwesenden (hauptsächlich aus Osteuropa und den Ländern der ehemaligen Sowjetunion) stellen gemäß dem Jahresthema konkrete Projekte vor und tauschen eigene Erfahrungen untereinander aus. Wie zur Geschichtsmesse ist Sovlab auch zum Treffen nach Kreisau eingeladen. Dort wird die Koordinatorin des Projekts Magda Tsotskhalaschwili das seit mehreren Jahren laufende Projekt zu Massenerschießungsstätten vorstellen.

Jedes Jahr organisiert die Stiftung außerdem eine Bildungsreise für Interessierte in eines der ehemaligen sozialistischen Länder. Letztes Jahr war Georgien das Ziel dieser Reise. In diesem Jahr ist Albanien dran, wohin bereits vor 10 Jahren eine Stiftungsreise führte. Nun möchten die Gäste die Neuigkeiten und die Entwicklungstendenzen sehen und reflektieren.

In diesem Jahr zählt die Geschichtsmesse bis zu 350 Teilnehmern. Darunter sind Teilnehmer aus ganz Deutschland, die im Bereich der Geschichtsaufarbeitung, zivilgesellschaftlicher wie historischer und kultureller Bildung arbeiten, des Weiteren Vertreter verschiedener Organisationen und Schulen, Jugendliche, Politiker, ehemalige sowie amtierende Minister. Im Saal sitzen Gleichgesinnte zusammen. So finden die Diskussionen, darunter auch ziemlich scharf geführte, in ruhiger Atmosphäre statt. Noch einmal bestätigt dies meinen Gedanken, dass sich die hier Anwesenden auf etwas Fundamentales und Grundsätzliches geeinigt haben. Genau das fehlt uns: der gesellschaftliche Konsens über fundamentale Fragen, sei es die Orientierung des Staates, die Notwendigkeit der Entwicklung der Demokratie, die Verteilung der Macht, die soziale Gerechtigkeit oder anderes. Das heißt, unter den Anwesenden der Geschichtsmesse wird gar nicht in Frage gestellt, dass die Demokratie keine Alternative hat. So lese ich auf der Werbebroschüre einer Organisation (Gegen Vergessen, Für Demokratie e.V.): Demokratie ist wichtig. Punkt!




Das Thema der diesjährigen Geschichtsmesse ist auch Demokratie, genauer gesagt: Was ist unterDemokratie gemeint? Deutschland und Europa 30 Jahre nach dem Mauerfall.

Die Podiumsdiskussionen wurden mit der Vorstellung der Ergebnisse verschiedener Forschungen eröffnet: was denken die Deutschen über die Demokratie? Welche Geschlechts- oder Altersgruppe wählt? Welche Tendenzen sind in diesem Bereich aus verschiedenen Blickwinkeln zu beobachten? usw. Wenn man so vielseitig informiert ist, diskutiert man inhaltlicher, für Mutmaßungen verschwendet man keine Zeit. Da die Stimmung der Bevölkerung durch Forschungen bekannt ist, ist nun die Zeit der Umsetzung gekommen, so diskutieren die Referenten über mögliche Auswege und Verbesserungsmöglichkeiten.

Wenn es um Lösungswege geht, sind sie selbstkritisch: anscheinend haben wir nicht genügend getan, anscheinend haben die Projekte im Bereich der Geschichtsaufarbeitung und politischer Bildung nicht alle Gruppen umfasst und das müssen wir in der Zukunft besser machen. Das sagt man in dem Land, das im Hinblick auf die Erhältlichkeit der Programme im Bereich der Geschichtsaufarbeitung und non-formeller Bildung am vorbildlichsten ist.

Besondere Aufmerksamkeit schenkt man der Notwendigkeit der Verstärkung der Bildungstätigkeit in den Peripherien. Auch ich würde die besondere Rolle der kommunalen sowie lokalen, städtischen Organisationen und Behörden im Bereich der Geschichtsaufarbeitung und der politischen Bildung unterstreichen. Auf der Geschichtsmesse sind auch die Vertreter kleinerer Kommunen sowie städtischer Museen und Vereine anwesend. Sie lernen aus der Erfahrung anderer und tauschen ihre eigenen Erfahrungen untereinander aus. Ich muss aber bitter lachen, denn es ist unvorstellbar, dass bei uns in irgendeiner Ortsverwaltung ein Beamte sitzt, der aus eigener Initiativ die Ergebnisse einer Studie über die gesellschaftliche Meinung studiert und an einem strategischen Programm zur Aufarbeitung der neuesten Geschichte durch Debatten, Wettbewerbe, Ausstellungen usw. arbeitet, weil er der Überzeugung ist, dass die Gesellschaft ohne historische und politische Bildung sich niemals weiterentwickeln kann.

Nicht nur auf kommunaler Ebene, sondern in ganz Georgien beschränkt sich die Aufarbeitung der sowjetischen Geschichte auf vereinzelte Organisationen und Initiativgruppen. Sovlab ist eine der wenigen Organisationen, die das konsequent und zielgerichtet macht – eine Nichtregierungsorganisation, der der Staat (weder mit dieser noch der alten Regierung) nicht nur keineswegs hilft, sondern auch versucht, den Enthusiasmus einzelner Forscher durch Archivgesetzgebung und -Politik zu Nicht zu machen. Der Zugang zu den Archiven ist auch in Deutschland nicht kostenlos, aber dort verschont man die ehemaligen Stasi-Mitarbeiter nicht unter dem Vorwand, man schütze die Personaldaten. Es gibt in Deutschland außerdem interessante Stipendienprogramme für die Arbeit in den Archiven, denn die Archivmitarbeiter wissen wohl, dass die Archivmaterialien nicht ihnen gehören, sondern ein gesellschaftliches Gut sind und dass die auf die Forscher orientierte Umgebung zum Studium und zur Aufarbeitung der Geschichte und der Entwicklung der Wissenschaft beitragen können.

Die Archivpolitik und die Haltung verschiedener staatlicher Strukturen können in Bezug auf diese Problematik als Staatspolitik verstanden werden. Leider ähneln wir uns in dieser Hinsicht Russland, was sehr bedauernswert und verwunderlich ist.

Ich bin Optimistin und möchte nicht die Hoffnung daran verlieren, dass die politische Bildung auch bei uns stärker wird. Zahlreiche internationale und lokale Organisationen waren und sind in dieser Richtung tätig. Meines Erachtens haben wir auch konkrete Ergebnisse, obwohl natürlich noch sehr viel getan werden muss.


***


Seit drei Tagen bin ich in der ehemaligen DDR, der Stadt Suhl, die noch sowjetische Spuren aufweist, auf der Geschichtsmesse, bei der die neueste Geschichte (d.h. die Geschichte der letzten 30 Jahre) Deutschlands und Europas, sowie die Gegenwart im Mittelpunkt stehen. Man diskutiert sehr nüchtern, ruhig und selbstkritisch: Was hat man falsch gemacht, was hätte man anders machen sollen, was hat funktioniert und was nicht, und wenn nicht – warum? Warum nehmen die antidemokratischen Stimmungen zu und was setzen wir ihnen entgegen? Wie sollte man sich heutzutage verhalten und worin bestehen die Gefahren? Ich erlebe fundierte und thematische Diskussionen statt Emotionen und Trinksprüchen. Ich höre zu und verstehe, wie wichtig auch für uns ein friedliches und demokratisches Europa ist – als Stütze, Partner und Orientierungspunkt.

Vor 30 Jahren fiel nach einer friedlichen Revolution die Berliner Mauer. Die besondere Rolle solcher runden Daten wurde bei der Erinnerung und Initiierung der Debatten mehrmals unterstrichen. Mit solchen Ereignissen verbindet man dann ganze Bildungskonzepte und Kampagnen. Jubiläen können zu wichtigen Stützpfeilern im Bereich der Bildungspolitik werden. Zum Beispiel denke ich daran, wie viel besser man 100 Jahre seit 1918 – der Unabhängigkeit Georgiens – hätte feiern können und in diesem Zusammenhang nicht nur die Unterstreichung der Geschichte und der sowjetischen Okkupation sinnvoll gewesen wäre, sondern die Hervorhebung der Sozialdemokratie, der multiparteilichen Wahlen, der demokratischen Republik und der Bedeutung der Demokratie nicht nur in den Fachkreisen (wie es der Fall war), sondern auch im breiten Umfang unter Einbindung verschiedener Institutionen. Man hätte viel früher mit den Vorbereitungen beginnen und eine Stiftung gründen sollen, die verschiedene Initiativen und Projekte in ganz Georgien gefördert hätte.

Es fanden durchaus Veranstaltungen von vereinzelten Organisationen und Forschern statt. Hier beklage ich mich nur über die geringe Reichweite und über die Tatsache, dass die Regionen in solchen Fällen grundsätzlich ausgeschlossen sind.

Auf der Geschichtsmesse war ein ganzer Tag der Vorstellung diverser Projekte aus ganz Deutschland gewidmet. Diese Projekte umfassten Ausstellungen, methodologische Lehrbücher, Forschungen, Bücher, Filme, Diskussionen, Seminarreihen zum Thema bürgerliche und politische Bildung sowie Geschichtsaufarbeitung. Bei den jeweiligen Präsentationen diskutiert man über Arbeitsmethodologie und über die Anmerkungen der Besucher, man erläuterte die Konzepte und besprach die erfolgreichen wie auch die nicht erfolgreichen Ergebnisse. Die Vortragenden analysierten ihre eigene Arbeit und tauschten Erfahrungen miteinander.

Die folgende Praxis gefällt mir besonders gut: Zum Beispiel, bereitet die Bundesstiftung Aufarbeitung eine thematische Ausstellung (sagen wir über den Kalten Krieg) vor und präsentiert diese. Anschließend können verschiedene Forschungs- sowie Bildungseinrichtungen, Museen, Institute oder Schulen diese Ausstellung in elektronischem Format erwerben oder auf anderen Wegen bekommen, selber drucken und sie im Rahmen ihrer Arbeit zeigen. Das ist Netzwerkarbeit und die Kultur der Zusammenarbeit: ich habe mich bemüht, habe etwas geschaffen und du kannst das Ergebnis für deine programmatischen Ziele benutzen. So stärken wir einander mit dem Austausch eigener Arbeitsergebnisse und erreichen gemeinsame Ziele einfacher. Eine ähnliche Erfahrung hatten wir, Sovlab, im letzten Jahr gemacht: im Rahmen eines Projekts, das vom Georgian National Book Center gefördert wurde, haben wir mit der filia: der Frauenstiftung eine Podiumsdiskussion zur Frage der Emanzipation im südlichen Kaukasus organisiert. Die Veranstaltung fand in Begleitung der Ausstellung ’50 Frauen aus Georgien” statt, die vom Südkaukasischen Regionalbüro der Heinrich Böll Stiftung einige Jahre zuvor organisiert worden war. Die Bilder haben wir neu drucken lassen. Dementsprechend verloren wir keine Zeit und kein Geld an eine konzeptuelle Bearbeitung des visuellen Materials. Die Ausstellung hing 3 Wochen lang in der Zentralbibliothek Hamburgs, wo unsere Frauen von zahlreichen Menschen besucht wurden.

Die Mehrzahl der vorgestellten Projekte hat natürlich mit dem Themenfeld der Erinnerungskultur zu tun. Gedächtnisorte gibt es zahlreiche: Stolpersteine, Gedenkstätte, Tafeln, Museen, Erinnerungsorte. Städte erzählen die Geschichte in verschiedener Form, man diskutiert ständig, wie so stark wie mögliche Jugendliche einbezogen werden können, wie der Informationsfluss so viele Menschen wie möglich erreichen kann und aus wie vielen Schichten die Erfahrung der Geschichtsaufarbeitung besteht. Irgendwo findet man das DDR Museum, woanders sind Konzentrationslager- und Untersuchungshaftanstalt-Gedenkstätten eingerichtet. Man wird von ehemaligen Häftlingen geführt. Eine Ausstellung ist direkt auf der Straße zu sehen, woanders stolpert man über einen Stein und wenn man genau hinguckt, sieht man die Angaben eines Unterdrückten (sog. Stolpersteine) oder man trifft beim Spaziergang zufällig auf eine Tafel mit wichtiger Information. Zum Beispiel wird man in Berlin andauernd an die Geschichte erinnert: der Blick bleibt unwillkürlich haften, dann liest man und denkt nach. Das ist auch das Ziel. Trotz der zahlreichen Formen der Geschichtsaufarbeitung ist der Hauptheld dieser Prozesse der Mensch – das unschuldige Opfer. Und da die Erinnerung an die Opfer so wichtig ist, versucht niemand, die Täter zu verdecken oder zu verheimlichen.

Es ist bemerkenswert, dass viele historisch wichtige Objekte dank der zivilgesellschaftlichen Initiativen aufrechterhalten wurden bzw. entstanden sind. Heutzutage schreiben wir diesen Objekten oder Einrichtungen eine Bedeutung zu, sie gelten als wichtige Stützen der Erinnerungskultur und der Erinnerungspolitik. Wenn zivilgesellschaftliche Aktivität, Initiativen und Kampf in Deutschland notwendig waren, umso grösser ist ihre Notwendigkeit bei uns! Vor kurzem haben die entsprechenden kommunalen Behörden den Inhalt des Projekt „Letzte Adresse“ nicht ganz verstanden und haben die Anbringung einer Memorialtafel ans Haus eines Unterdrückten mit der Begründung abgelehnt, es wäre doch besser, eine kollektive Gedenkstätte mit Tausenden der Namen zu errichten.

Ich werde nicht mehr in die Details des Nutzens solcher Gedenkstätten eingehen, die für die Abbezahlung der Schuld gedacht sind, werde nur eines sagen: man kann die Geschichte in der Stadt auf unterschiedlicher Weise erzählen, und noch mehr: je mehr wir der Opfer des kommunistischen Regimes gedenken, umso besser. Ich hoffe, dass auch in dieser Hinsicht verschiedene bürgerliche Initiativen entstehen werden. Dabei denke ich, zum Beispiel, an die Rettung des Gebäudes der ehemaligen NKWD und die Einrichtung eines Museums in dessen Räumen.

In Deutschland stehen hinter den Museen, Projekten, Forschungsinstituten u.ä. oft Unterstützervereine. Diese basieren auf Mitgliedschaft, das heißt, dass jedes Mitglied einen Mitgliedschaftsbeitrag zahlt und sicher sein kann, dass das Geld für die Entwicklung und Umsetzung einer Idee ausgegeben wird. Die Mitgliedschaft solcher Vereine ist nicht nur freiwillig, sondern auch ehrenamtlich: selten bekommen hier die Mitarbeiter ein Honorar, die Beteiligten teilen die Arbeit unter sich auf. Die Gruppe der Gleichgesinnten gab es auch in Georgien vor der sowjetischen Okkupation, und seit den 90er Jahren lernen wir langsam und schmerzhaft, uns um eine Idee zu vereinigen und unsere Kenntnisse, finanziellen Mittel und andere Ressourcen auf eine gemeinsame Sache zu konzentrieren, die uns wichtig ist und an die wir glauben. Aber das ist nicht genug, wir brauchen mehr Solidarität, gegenseitige Unterstützung und mehr ehrenamtliches Engagement, denn zu tun gibt es noch sehr viel.

Ich nehme an der zusammenfassenden Diskussion der Geschichtsmesse teil, bin aufgrund der vielen Gästen sehr aufgeregt und fühle mich grundsätzlich nie wohl bei öffentlichen Auftritten, besonders, wenn sie auf Deutsch stattfinden. Gott, manchmal kann ich meine Gedanken sogar auf Georgisch schwer zusammenfassen. Warum habe ich zugesagt, frage ich mich die ganze Zeit. Die mir gestellten Fragen betreffen den Prozess der demokratischen Entwicklung in Georgien, zivilgesellschaftliche Organisationen und die Gesellschaft, verschiedene Herausforderungen, die Tätigkeit von Sovlab sowie das Thema Erinnerungskultur. Es gibt jedoch auch unerwartete Fragen. Ich merke, dass ich vor lauter Aufregung den Faden verliere, Worte vergesse und ein bisschen stottere. Auf dem Podium sitzen zwei deutsche Forscher und ein Publizist, außerdem der ukrainische Übersetzer, Preisträger mehrerer Auszeichnungen und Publizist Yuri Durkot. Er hat wohl verstanden, dass ich aufgeregt bin und ermutigt mich mit seinem ausgezeichneten Deutsch, seinem Fachwissen und seiner Ruhe – bewusst oder unbewusst – in dem er mir zustimmt: „Wie Anna soeben gesagt hat…“ Ich bin bewegt. So stark kann Solidarität sein. Ich werde ruhiger und schaffe es, die schleichende Okkupation, sowie das Thema der auf der anderen Seite der Grenze verbliebenen Gärten und Felder, die politische Bildung und die Arbeit in den Regionen, Dezentralisation und die Probleme der Frauen anzusprechen, die im Ausland ihr Brot verdienen.




Ich bin überzeugt, dass wir trotz vieler Enttäuschungen und Niederlagen, falsch geführten Prozessen, Armut und sozialer Probleme generell die Chance haben, alles zum Besseren zu verändern. Vielleicht braucht es dafür Zeit und wir hingegen haben es sehr eilig. Vielleicht machen wir weiterhin viele Fehler, aber letztendlich werden wir dieses Fegefeuer überleben und einen besseren Staat bauen, in dem jeder Mensch zählt, in dem die Lebenssituation und die würdige Existenz eines Einzelnen am wertvollsten ist.

PS: Meine große Dankbarkeit gilt Deutschland und den deutschen Institutionen, die Georgien seit den 1990er Jahren unterstützen und versuchen, uns zu helfen. Dies sind zum einen sich auf Entwicklungsförderung fokussierende deutsche Organisationen, politische Stiftungen, Bildungs- und Expertenorganisationen, kirchliche Stiftungen, zum anderen aber auch Einzelpersonen – unzählige Deutsche, die Georgien von ganzem Herzen lieben, für das Land mitfiebern und ihm viele Male geholfen haben. Die Liste ist sehr lang. Ich behalte jede/n von ihnen im Gedächtnis, ihre Hilfe für unser Land, ihre Unterstützung in schwierigen Jahren und die in Taten umgesetzte Solidarität. Das alles werde ich niemals vergessen.



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